Das filmische Potential für diskursive Symbole und Metaphern

Abstrakte, aber für die Nachkriegs-Politik unabdingbare, moralische Normen bedurften einer eingängigen Darstellungsweise.

Jede Wochenschau-Ausgabe war ca. 300m lang – das entsprach einer Spieldauer von zehn Minuten und ein bis eineinhalb Minuten für jeden Beitrag – was keine langen Erklärungen erlaubte. Die Filmbilder ergänzten die Zeitungsberichte, die ausführlicher über Hintergründe informieren konnten. Für die Kino-Wochenschau war es damit möglich und zugleich notwendig, Bild-, Text- und Musikmetaphern zu nutzen, um schnell erfassbare Bedeutungen zu generieren. Im Bemühen Interpretationen von Metaphern und Symbolen verlässlich zu lenken, wurde die Vertrautheit des Publikums mit populären Filmen vorausgesetzt. Dem Veranstaltungsort ‚Kino‘ entsprechend wurden intertextuelle Bezüge zu bekannten Kinofilmen verwendet, beispielsweise durch die Verwendung von Filmmusik und Filmrequisiten. Das Mannequin auf dem Laufsteg einer Modenschau trägt zur eingespielten Melodie aus dem Film Gilda  ebensolche Handschuhe wie Rita Hayworth, als sie „Put the Blame on Mame“ singt.

Welche Vielfalt und Verwendung von bildlichen Metaphern zeigen die Wochenschauen auf? Hohe Relevanz erhält diese Frage durch die Tatsache, dass sie uns noch heute z.B. in Fernsehdokumentationen begegnen und auf diese Weise zum kollektiven Gedächtnis beitragen – wie beispielsweise das Bild des abgeschnittenen Schienenstrangs (vgl.  Abb. aus Welt im Bild Nr. 149 vom 4.5.1955). Dieses Bild wird mehrfach in der Wochenschau und in Jahresrückblicken  verwendet, wenn es darum geht, die Teilung Deutschlands zu symbolisieren.

Durch die Reflexion der Geschichte und die Kenntnis von Folgen historischer Ereignisse verändern sich die Bedeutungen. Beispielsweise standen rauchende Schornsteine in den 1950er-Jahren für Produktivität und Wohlstand – heute stehen sie für Umweltverschmutzung. Der Atompilz jedoch stand damals wie heute für unmenschliche Zerstörung. Damals vermittelte der gesprochene Kommentar allerdings den Eindruck eines faszinierten Bestaunens. Ebenso wie Wiederbewaffnung und Atompolitik heizte die Deutsche Frage, der Status Berlins und der Bau der Mauer die politische Atmosphäre in den 1960er-Jahren auf – komplexe Themen, die allein durch die Einblendung von Straßenschildern wie „Unter den Linden“ oder „Bernauer Straße“ repräsentiert werden.

Die Bearbeitung des Materials folgt den Vorschlägen zu Methoden und Ansätzen u.a. der Neoformalistischen Filmanalyse und Framing (vgl. entsprechende Rubrik dieser Website).

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