Zeitbezüge als wesentliches Merkmal der medialen Form

„Über Länder und Meer verfolgt das Auge der Filmreporter die Ereignisse der Zeit und zeichnet danach das lebendige Gesicht unserer Epoche.“ So führt die Neue Deutsche Wochenschau in ihrer ersten Ausgabe vom 31. Januar 1950 in ihre Ziele ein. Bevor sich das Fernsehen in Westdeutschland Ende der 1950er Jahre als Massenmedium etablieren konnte, vermittelte die Wochenschau im Kinovorprogramm auf unterhaltsame Weise Informationen über die Geschehnisse im In- und Ausland.

„Wir wollen aktuell sein, indem wir die Gegenwart nach den klassischen Gesetzen unserer europäischen Tradition echt und lebenswahr gestalten“, behauptet die NDW. Der Begriff der Aktualität hat sich jedoch bis heute erheblich gewandelt. Aufgrund der Produktionsumstände und der Distribution als wöchentlicher Rhythmus, war eine Tagesaktualität für die Wochenschau kaum möglich. Trotzdem gewann der Zuschauer den Eindruck das Zeitgeschehen zu kennen. Somit war dieser Teil des Kinoprogramms sehr gut geeignet, um ein Bewusstsein für die eigene Epoche zu schaffen: Die Wochenschau zeigte kulturelle Trends (z.B. in Mode, Frisuren) und bestimmte damit, was ‚modern‘ war. War die Wochenschau in den 1950er Jahren wichtig, um Nachrichten in der Presse und im Rundfunk mit ‚aktuellen‘ Bildern zu ergänzen, wurde sie im nächsten Jahrzehnt zum Anachronismus. Die Tagesschau im Fernsehen ließ die größte Schwachstelle der Wochenschau deutlich werden.

Das Fließen von Zeit wird nicht nur als historische Wandlung gezeigt, sondern auch symbolisch, z.B. durch das Vorrücken von Zeigern einer Uhr.

Auf welche Art und Weise verstand es die Wochenschau, „den Atem“ der Zeit zu bannen und „im Rhythmus und Tempo“ des Jahrhunderts „die lebendige Geschichte“ festzuhalten  (vgl. Abb. Titelmontage NDW Nr. 1).

Aufgrund der jahrzehntelangen Erfahrung, durch die Möglichkeiten und Elemente der Filmberichterstattung wurde ‚Zeit‘ auf unterschiedlichste Weise repräsentiert, beispielsweise durch Trick, Montage, eingefügtes Archivmaterial, unterlegt mit der historisch passenden Musik, um eine Erinnerung an z.B. ‚gute alte Zeiten‘ darzustellen. Dies ist noch immer ergreifend.

Die Bearbeitung des Materials folgt den Vorschlägen zu Methoden und Ansätzen u.a. der Neoformalistischen Filmanalyse und Framing (vgl. entsprechende Rubrik dieser Website).

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